Fachkräftemangel in der Baubranche

Wenn Fachkräfte fehlen: Was die Baubranche gegen Fachkräftemangel tun kann

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von Elena Höppner Content MarketingPubliziert am 25.8.2026

Der Fachkräftemangel ist für die Baubranche längst kein neues Problem – an Dringlichkeit verliert er deshalb jedoch nicht. Während immer mehr erfahrene Fachkräfte das Pensionsalter erreichen, rückt nicht genügend Nachwuchs nach. Doch wie kann die Branche gegensteuern? Wir zeigen, welche Bedeutung attraktivere Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, neue Zielgruppen und Digitalisierung im Umgang mit dem Fachkräftemangel haben.

Ob Maurer, Elektriker oder Spengler – viele Bauberufe sind mit demselben Problem konfrontiert: Qualifizierte Fachkräfte fehlen immer mehr und es rückt nicht genügend Nachwuchs nach.

Fachkräftemangel im Bau: Ein Blick auf die Zahlen

Der Fachkräftemangel ist in der Schweizer Baubranche bereits heute spürbar – und die Prognosen zeigen: In den kommenden Jahren dürfte sich die Situation weiter verschärfen. Gemäss der Studie des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) aus dem Jahr 2023 zum Fachkräftemangel im Schweizer Bauhauptgewerbe wird der Bedarf an Fachkräften bis 2040 aufgrund des steigenden Umsatzes auf etwa 33.750 Personen anwachsen. Gleichzeitig wird das verfügbare Fachkräfteangebot auf rund 28.150 Mitarbeiter sinken. Setzen sich die bisherigen Entwicklungen fort und werden keine zusätzlichen Gegenmassnahmen ergriffen, würden somit 2030 bereits 11,3 Prozent und 2040 rund 16,6 Prozent der benötigten Fachkräfte fehlen. Oder anders gesagt: Bis 2040 würde jede sechste Stelle unbesetzt bleiben.

Zwischen den einzelnen Bauberufen gibt es dabei allerdings grosse Unterschiede:

Besonders drastisch entwickelt sich die Fachkräftelücke bei Maurern, Bauvorarbeitern und Baumeistern. So werden laut Prognose bei den Maurern 2030 bereits 21 Prozent der benötigten Fachkräfte fehlen, bis 2040 wird dieser Anteil sogar auf 31 Prozent steigen.

Ähnlich sieht es bei den Bauvorarbeitern aus: Hier wird die prognostizierte Lücke von 22 Prozent im Jahr 2030 auf ganze 33 Prozent im Jahr 2040 wachsen. Bei gleichbleibender Entwicklung würde in beiden Berufen langfristig damit nahezu jede dritte benötigte Fachkraft fehlen.

Und auch bei den Baumeistern ist auf lange Sicht eine deutliche Verschärfung der Situation zu erwarten: Beträgt die prognostizierte Fachkräftelücke 2030 noch acht Prozent, wird sie bis 2040 schon bei 29 Prozent liegen.  

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Altersstruktur der Beschäftigten: In zahlreichen Bauberufen wird in den kommenden Jahren ein grosser Teil der heutigen Fachkräfte das Pensionsalter erreichen.

Der Fachkräftemangel wird sich also voraussichtlich nicht von selbst lösen. Gleichzeitig gibt es verschiedene Stellschrauben, an denen die Baubranche ansetzen kann – sowohl bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften als auch beim Umgang mit den bereits vorhandenen personellen Ressourcen. 

Fachkräftemangel: Wo die Baubranche ansetzen kann

Attraktivität des Bauberufs steigern – und Nachwuchs gewinnen

Noch immer wird die Arbeit auf dem Bau häufig mit körperlicher Anstrengung, Arbeit bei Wind und Wetter und einem rauen Arbeitsumfeld verbunden. Dabei hat sich der Berufsalltag in vielen Bereichen längst verändert – und dieser Wandel wird sich weiter fortsetzen müssen. Digitale Technologien, moderne Maschinen und neue Arbeitsmethoden erleichtern körperlich belastende Tätigkeiten und schaffen zugleich neue, technisch anspruchsvolle Aufgaben.

Damit dieser Wandel auch bei potenziellen Nachwuchskräften ankommt, sind direkte Einblicke in den tatsächlichen Berufsalltag entscheidend. Mit Schnuppertagen, Berufsmessen oder Einblicken über soziale Medien setzt die Baubranche hier bereits an und zeigt jungen Menschen ganz konkret, wie sich Bauberufe verändert haben und welche Tätigkeiten heute dazugehören. Diesen Weg gilt es weiterzugehen. So kann nach und nach ein realistischeres Bild der Arbeit auf dem Bau entstehen – jenseits der bisherigen Vorstellungen, die das Image der Branche noch immer prägen.

Doch nicht nur das Image der Bauberufe muss sich weiterentwickeln. Auch die Arbeitsbedingungen müssen mit den veränderten Erwartungen an das Berufsleben Schritt halten. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie flexiblere Arbeitszeit- und Teilzeitmodelle werden deshalb auch im Bau zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade in einer Branche, in der feste Baustellenzeiten und eingespielte Abläufe lange wenig Spielraum für flexible Modelle liessen, sind dafür neue Lösungen gefragt. Je besser es Bauunternehmen gelingt, moderne Arbeitsweisen und zeitgemässe Arbeitsbedingungen miteinander zu verbinden, desto attraktiver wird die Branche auch für die nächste Generation.

Entwicklungsmöglichkeiten schaffen – und Fachkräfte halten

Mehr Nachwuchs allein wird die Fachkräftelücke nicht schliessen, wenn gleichzeitig ausgebildete Fachkräfte die Branche wieder verlassen. Gerade bei den Maurern zählt der Schweizerische Baumeisterverband die Abwanderung bereits qualifizierter Arbeitskräfte zu den Faktoren, die den Fachkräftemangel zusätzlich verschärfen.

Damit rückt neben der Gewinnung neuer Fachkräfte zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie sich langfristige Perspektiven innerhalb der Branche schaffen lassen. Ein wichtiger Schlüssel liegt dabei in der Weiterbildung. Sie eröffnet verschiedene Wege – von fachlichen Spezialisierungen bis hin zur Qualifikation für weiterführende Funktionen. Gleichzeitig können neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche Entwicklungsmöglichkeiten direkt im Arbeitsalltag schaffen. Je vielfältiger solche Wege werden, desto mehr Möglichkeiten entstehen für Fachkräfte, sich beruflich weiterzuentwickeln, ohne dafür den Betrieb oder die Branche verlassen zu müssen.

Neue Zielgruppen erschliessen – Frauen und Quereinsteiger gewinnen

Wenn der Nachwuchs aus den bisherigen Rekrutierungswegen nicht ausreicht, rücken zunehmend auch jene Gruppen in den Fokus, die in vielen Bauberufen bislang nur wenig vertreten sind.

Gerade der Frauenanteil unterscheidet sich zwischen den einzelnen Bauberufen bis heute deutlich. Während Frauen in einigen Bereichen längst stärker vertreten sind, bleiben andere klassische Bauberufe weiterhin stark männlich geprägt. Mit dem Wandel der Tätigkeiten könnten sich hier neue Möglichkeiten eröffnen: Technische Hilfsmittel reduzieren körperlich besonders belastende Arbeiten, während flexiblere Arbeitsmodelle den Zugang für unterschiedliche Lebenssituationen erleichtern können. Gleichzeitig spielt auch hier das Bild der Branche eine Rolle – je selbstverständlicher Frauen bereits bei der Berufsorientierung als mögliche Fachkräfte angesprochen werden, desto eher kann sich langfristig auch die Zusammensetzung der Branche verändern.

Ein weiteres Potenzial liegt bei Quereinsteigern. Gerade wenn über die klassischen Ausbildungswege nicht genügend Fachkräfte nachrücken, lohnt sich der Blick auf Menschen, die bereits Berufserfahrung und Kompetenzen aus anderen Bereichen mitbringen. Mit entsprechenden Möglichkeiten zur Qualifizierung kann der Quereinstieg so zu einem sinnvollen Weg werden, neue Fachkräfte für die Baubranche zu gewinnen.

Digitalisierung vorantreiben – und vorhandene Fachkräfte effizienter einsetzen

Doch selbst wenn es gelingt, mehr Nachwuchs und neue Zielgruppen für den Bau zu gewinnen und gleichzeitig mehr Fachkräfte in der Branche zu halten, wird sich die Fachkräftelücke damit voraussichtlich nicht vollständig schliessen lassen. Neben der Frage, wie mehr Fachkräfte gewonnen werden können, rückt deshalb eine zweite in den Vordergrund: Wie lassen sich die vorhandenen personellen Ressourcen möglichst sinnvoll einsetzen?

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Digitalisierung. Digitale Prozesse können administrative Aufgaben vereinfachen, Abläufe beschleunigen und damit Zeit schaffen, die an anderer Stelle fehlt.

Gerade bei knappen personellen Ressourcen gewinnt zudem eine vorausschauende Personalplanung an Bedeutung: Wer frühzeitig weiss, welche Fachkräfte wann und wo benötigt werden und welche Kapazitäten noch verfügbar sind, kann vorhandenes Personal gezielter einsetzen und Engpässe früher erkennen. Genau hier kann eine digitale Einsatz- und Kapazitätsplanung wie Vanillaplan unterstützen. Sie schafft einen Überblick darüber, welche Mitarbeitenden auf welchen Projekten eingeplant sind, wo noch Kapazitäten bestehen und wo sich personelle Engpässe abzeichnen.

Digitalisierung und vorausschauende Planung können den Fachkräftemangel damit zwar nicht lösen. Sie können aber dazu beitragen, die vorhandenen Fachkräfte dort einzusetzen, wo sie tatsächlich gebraucht werden – und die knapper werdenden personellen Ressourcen bestmöglich zu nutzen.

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