Ein unterschätztes Problem: Stress und Burnout in der Baubranche

Elena Höppner
da Elena Höppner Content Marketing 19.05.2022

*«Burnout? Das ist doch eine Managerkrankheit – oder einfach nur Einbildung.»* Dieser Meinung sind wir wahrscheinlich schon mehr als einmal begegnet. Anders als bei physischen Krankheiten lässt sich bei psychischen Leiden nicht so einfach mit Röntgenbild oder Laboruntersuchung ein glasklarer Befund liefern. Dass sie so wenig greifbar sind, führt somit leider immer noch dazu, dass ihnen zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht wird – und das kann ungünstige Folgen nach sich ziehen.

Wer kennt solche Tage nicht? Der Baubetrieb verzögert sich durch Schlechtwetter, ein wichtiger Mitarbeiter ist krank, während der nächste Kunde auf der Baustelle schon beginnt Druck zu machen – und dabei stehen eigentlich bereits die nächsten Termine auf dem Plan. Solche Situationen bedeuten meistens eines: Stress.

Stress – was ist das eigentlich genau?
Wir benutzen den Begriff «Stress» für sehr unterschiedliche Situationen in unserem Leben: Von Freizeitstress, wenn unsere Planung nicht aufgeht, über Stress in zwischenmenschlichen Beziehungen bis hin zu Ereignissen, vor denen wir aufgeregt sind und die uns «stressen». Gemeinsam ist diesen Situationen, dass wir sie als belastend empfinden – unsere Ressourcen reichen gegenüber den Anforderungen nicht aus. Auch im Arbeitsumfeld haben wir sogenannte Ressourcen und Stressoren, die im Idealfall in einem gesunden Gleichgewicht miteinander stehen sollten. Arbeitsbezogene Stressoren sind Belastungen, die wir an unserem Arbeitsplatz erfahren. Das können ungünstige Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel eine hohe Intensität, Zeitdruck oder viele Unterbrechungen, aber auch indirekte Aspekte wie Arbeitsplatzunsicherheit sein. Arbeitsbezogene Ressourcen sind hingegen Merkmale des Arbeitsumfelds, die die Bewältigung der Belastungen erleichtern. Solche motivierenden Arbeitsbedingungen können zum einen auf sozialer Ebene stattfinden, also beispielsweise, wenn die eigene Arbeit wertgeschätzt wird und Vorgesetzte sich unterstützend verhalten. Zum anderen können sie inhaltlich sein, indem zum Beispiel genügend Handlungsspielraum gewährt wird und die Arbeit ganzheitlich und wenig monoton ist. Je mehr Belastungen und je weniger Ressourcen also am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen, desto höher ist das Risiko, dass Stress am Arbeitsplatz entsteht.

Gibt es Arbeitsfelder, in denen es besonders stressig zugeht?
Wie wir gerade gesehen haben, sind stressauslösende Arbeitsbedingungen wie Zeitdruck, hohe Arbeitsintensität oder Arbeitsplatzunsicherheit nicht nur für Manager in Spitzenpositionen ein Risiko – im Gegenteil. Gerade in der Baubranche sind psychische Belastungen hoch und stressauslösende Umstände stark miteinander verkettet: Der Wettbewerb ist gross, die Zeit knapp und die verschiedenen Gewerke stark voneinander abhängig. Passiert ein Fehler, verstärkt das den ohnehin schon hohen Termindruck und führt zu Verzögerungen des ganzen Projekts, da die nachfolgenden Gewerke nicht weiterarbeiten können. Durchgehender Zeitmangel, ein hohes Arbeitspensum und die laufende Interaktion mit Kunden, internen Mitarbeitenden wie auch Mitarbeitenden anderer Gewerke sind Arbeitsbedingungen, die durchaus stressfördernd sind.

Ist Stress denn ein Problem?
Wie bei den meisten anderen Sachen in Leben auch, kommt es darauf an, in welcher Intensität wir Stress erleben. Gelegentlicher Stress ist im Arbeitsleben kaum vermeidbar und kann ausserdem auch etwas sehr Positives sein: So können wir Situationen als herausfordernd erleben und nach erfolgreichem Bestehen ein Gefühl von Stolz und Selbstbewusstsein empfinden. Wenn unser Körper allerdings durch Stress permanent in erhöhte Aktiviertheit versetzt ist und wir herausfordernde Situationen nicht als primär interessant, sondern bedrohlich erleben, kann das auf lange Sicht negative Folgen haben. Eine solche belastende Situation über längere Zeit, die unserem Körper zu viel abverlangt und dafür sorgt, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse regelmässig übergehen, kann dazu führen, dass wir uns irgendwann emotional erschöpft, leer und ausgebrannt fühlen – die klassischen Symptome eines Burnouts.

Was ist ein Burnout und wie erkenne ich es?
Wie der Name schon sagt, haben wir beim Burnout das Gefühl, erschöpft und energielos zu sein. Damit einher gehen dauerhafte Müdigkeit, verringerte Arbeitslust und eine Distanzierung von der Arbeit, während wir gleichzeitig nach dem Feierabend nicht abschalten können. Aufgrund des wahrgenommenen Energiemangels distanzieren wir uns häufig von Freunden und Familie, gehen unseren Hobbys nicht mehr nach und fühlen uns andersherum von unserem Umfeld nicht mehr wertgeschätzt. Auch körperliche Beschwerden wie ein Engegefühl in der Brust, Atemprobleme oder Übelkeit können Symptome sein. Dabei entwickelt sich ein Burnout nicht von heute auf morgen, sondern ist ein schleichender Prozess. Aus diesem Grund ist es wichtig, Belastungen im Blick zu behalten, Überlastung frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Unterstützung bei professionellen Ansprechpartnern zu suchen.